Im umfangreichen Regelwerk des Signalbuchs der Deutschen Bahn spielen auch besondere Signale eine Rolle, die nur in spezifischen Situationen verwendet werden. Zwei dieser Signale sind BüP (Bahnübergangssicherung) und HiB (Hilfssignal bei Bahnübergangsstörung). Beide betreffen in erster Linie den sicheren Betrieb an Bahnübergängen, wo sich Gleise und Straßen kreuzen. In diesem Artikel beantworten wir die häufigsten Fragen rund um den Einsatz von BüP- und HiB-Signalen und erläutern, welche Bedeutung sie für Lokführer und Fahrdienstleiter haben.
Was ist ein BüP?
BüP steht für Bahnübergangssicherungsstelle. Es handelt sich dabei um einen Punkt im Streckennetz, an dem ein Bahnübergang durch technische Einrichtungen gesichert wird. Diese Sicherungen können sein:
- Schrankenanlagen
- Lichtzeichen (rote Blinklichter)
- akustische Signale
- technische Überwachungssignale für Lokführer
Der BüP ist mit einem festen Standort verbunden, an dem bestimmte Vorschriften für das Verhalten des Zugpersonals gelten.
Was ist ein HiB?
HiB steht für Hilfssignal bei gestörter Bahnübergangssicherung. Es kommt zum Einsatz, wenn die automatische Sicherung eines Bahnübergangs – also z. B. die Schranke oder das Lichtzeichen – nicht wie vorgesehen funktioniert. In solchen Fällen darf ein Zug den Übergang nur unter bestimmten Voraussetzungen befahren, und das HiB regelt dieses Vorgehen.
Wann wird ein HiB gesetzt?
Ein HiB-Signal wird vom zuständigen Fahrdienstleiter oder Sicherungspersonal gesetzt, wenn:
- die technische Sicherung des Bahnübergangs ausgefallen ist
- die automatische Einschaltung nicht erfolgt ist
- eine manuelle Sicherung notwendig wird (z. B. durch Sicherungsposten)
Das HiB erlaubt dem Lokführer die Weiterfahrt mit besonderer Vorsicht. Oft ist damit Schrittgeschwindigkeit oder die Bereitschaft zum sofortigen Halt verbunden. Auf der Seite werden die Verfahren Sakra SA – BüP – HiB – SIPO – SAS praxisnah dargestellt.
Wie erkennt man ein HiB?
Ein HiB ist kein dauerhaft installiertes Licht- oder Formsignal, sondern wird temporär durch Hilfssignaltechnik dargestellt. Es besteht in der Regel aus einem:
- Zs 12 (M-Tafel oder mündliche Weisung) oder
- Befehlszettel zur Überfahrt eines gestörten Bahnübergangs
Manchmal wird zusätzlich ein Sicherungsposten zur Absicherung des Straßenverkehrs eingesetzt.
Welche Vorschriften gelten beim Befahren eines gestörten Bahnübergangs?
Wenn ein HiB aktiv ist, gelten je nach Lage des Übergangs folgende Vorschriften:
- Der Lokführer muss die Geschwindigkeit reduzieren, meist auf 20 km/h oder Schrittgeschwindigkeit.
- Der Bahnübergang darf nur befahren werden, wenn der Lokführer sicherstellen kann, dass keine Fahrzeuge oder Personen auf dem Übergang sind.
- Wenn ein Sicherungsposten vor Ort ist, darf der Lokführer bei Freigabe durch diesen passieren.
- Bei vollständigem Ausfall der Sicherung ist vor dem Übergang anzuhalten.
Wer ist für das Setzen eines HiB verantwortlich?
Das Setzen eines HiB liegt in der Verantwortung des zuständigen:
- Fahrdienstleiters (wenn automatisiert überwacht)
- Bahnübergangspostens
- Zugleiters (bei Nebenbahnen oder ESTW-Systemen)
Das Lokpersonal erhält entweder eine direkte mündliche Weisung über Funk oder einen schriftlichen Befehl.
Wie wird das Personal auf BüP- und HiB-Situationen vorbereitet?
Alle Lokführer und Fahrdienstleiter werden im Rahmen ihrer Ausbildung und regelmäßiger Schulungen intensiv auf solche Situationen vorbereitet. Bestandteil der Schulung sind:
- Signalerkennung (auch ohne klassische Signalanlage)
- Verhalten bei gestörter Technik
- Kommunikation mit dem Fahrdienstleiter oder Sicherungsposten
- Verwendung von Befehlen gemäß Signalbuch Ril 301
Gibt es technische Systeme zur Erkennung von gestörten Bahnübergängen?
Ja, moderne Strecken verfügen über automatische Überwachungseinrichtungen, die:
- gestörte Schranken oder Leuchten sofort erkennen
- die Leitstelle alarmieren
- Notfallprotokolle auslösen (z. B. automatische Fahrtanhalte)
Ein HiB ersetzt jedoch keine technische Sicherung, sondern dient als überbrückende Maßnahme im Störungsfall.
Welche Signalbuchvorschriften regeln den Einsatz von BüP und HiB?
Die relevanten Regelungen finden sich insbesondere in:
- Richtlinie 301 (Ril 301), Abschnitt zu Bahnübergängen
- Signalbuch Ril 301.9001 ff. für Hilfssignale
- Betriebliche Weisungen (Besig) der Deutschen Bahn
- Notfallkonzepte und Gefahrenabwehrpläne
Ist ein HiB auch bei modernen ETCS-Strecken notwendig?
Ja, auch wenn ein Zug im ETCS-Modus geführt wird, gelten zusätzliche Anweisungen bei gestörten Bahnübergängen. Da ETCS primär Zugsteuerung und Streckenfreigabe regelt, aber nicht zwingend die Straßensicherung vor Ort, bleibt das HiB in solchen Fällen relevant – insbesondere bei Mischbetrieb mit älterer Infrastruktur.
Was passiert bei Missachtung eines HiB?
Die Missachtung eines gültigen HiB oder die unvorsichtige Einfahrt in einen ungesicherten Bahnübergang gilt als grober Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften. Mögliche Folgen sind:
- Gefährdung von Menschenleben
- rechtliche Konsequenzen für das Personal
- sofortige Meldung an die Leitstelle und Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung
- mögliche Betriebssperren für den betroffenen Zug
BüP und HiB sind zwei wichtige Begriffe im Kontext der Bahnübergangssicherung. Während der BüP einen festgelegten Sicherungspunkt beschreibt, kommt das HiB in Ausnahmesituationen zum Einsatz, in denen Technik ausfällt oder gestört ist. Die Einhaltung der damit verbundenen Vorschriften ist für einen sicheren Bahnbetrieb unerlässlich. Eine gründliche Ausbildung, klar geregelte Abläufe und regelmäßige Schulungen sorgen dafür, dass das Bahnpersonal auch in diesen besonderen Situationen jederzeit handlungssicher ist.
